Dienstag, 5. Juni 2012

Geschwisterliebe mit Handicap?

Ich glaube nicht, dass die Geschwisterbeziehung meiner beiden Kinder unter einem schlechteren Stern steht, als eine gewöhnliche, nur weil Malin das Down-Syndrom hat. Die beiden haben sehr viel Spaß miteinander. Natürlich gibt es ab und zu die üblichen Rangeleien unter Geschwistern, aber in der Regel sind sie ein Herz und eine Seele, halten dick zusammen und verschwören sich schon mal gemeinsam gegen ihre armen Eltern ;-)  Ich frage mich oft, ob mein Sohn in irgendeiner Form zurückstehen muss. Aber wenn ich darüber nachdenke, sehe ich auch gleichzeitig, dass sich diese Frage auch in Bezug auf Malin stellen lässt. Also halte ich meine Augen offen und gebe mir Mühe, die Bedürfnisse beider meiner Kinder zu erkennen und ihnen beiden gerecht zu werden. Das ist ein Spagat, der immer schwierig ist, egal ob ein "Handicap" beteiligt ist, oder nicht. Aber beide Kinder nehmen sich einfach den Raum, den sie brauchen. Wenn jemand zu kurz kommt, dann ist es eher die Mama ;-)


Vielleicht könnte es sein, dass mir, als Mutter eines "besonderen" Kindes, manches bewusster ist, und ich näher dran bin an meinen Kindern, als Mütter mit "unverdächtigem" Nachwuchs? Fast sicher bin ich mir, dass durch unseren "besonderen" Familienstatus, gerade für Malins Bruder, eine wunderbare Chance besteht, dass er zu einem gefestigten, lebensklugen und herzensgebildeten Menschen heranreift. Er wird vieles erleben, beobachten und reflektieren, was anderen Gleichaltrigen verschlossen bleibt, und so seine eigenen Werte herausbilden und die Fähigkeit erlernen, selbst zu denken und für einen Standpunkt einzustehen. Ich bin fest davon überzeugt, dass man diese Eigenschaften nachhaltig nur durch eine Lebensschule erwirbt


Wir Mütter glauben ja oft, wir müssten alle Gefahren, die körperliche und seelische Verletzungen verursachen könnten, von unseren Kindern fernhalten. Theoretisch wissen wir meist, dass das nicht sinnvoll ist, aber in der Praxis ist es eher schwer, darauf zu vertrauen, dass unser Kind keinen Schaden nimmt, sondern dass es wahrscheinlich sogar gestärkt und reifer als zuvor aus einer Sache hervorgehen wird.
Möglicherweise ist es für mich als Mutter sogar schmerzvoller als für meinen Sohn, wenn ich z.B. mitbekomme, dass Malin, bzw. ihre "Besonderheit", dazu missbraucht wurde, ihrem Bruder "eins auszuwischen".
Glücklicherweise kam das bisher selten vor, und glücklicherweise habe ich davon erfahren, so konnte ich ihm einen Weg zeigen, damit umzugehen. Aber es wird wahrscheinlich nicht mehr lange dauern, und ich werde solche Vorfälle nicht mehr erfahren, weil er sie, wenn er älter wird, mit sich allein wird ausmachen wollen. Ich hoffe sehr, er hat bis dahin gelernt, auf wen oder was er vertrauen kann.

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